P-Führerscheinerwerb und -verlängerungen in Gefahr? Aktuelle Entscheidung des BMVI bringt mehr Sicherheit

Anlässlich der Ereignisse der letzten Jahre rund um die Änderung des § 71a FeV soll an dieser Stelle der Blick aus der Politik- und Wissenschaftswelt hinaus in die Praxis geöffnet werden.

Anfang der 2000er-Jahre ging unser auf die Arbeitsmedizin spezialisiertes Unternehmen mit Sehtestgeräten an den Start. Kurze Zeit später kam ein Perimeter hinzu, um die Anforderungen der Anlage 6 FeV zum Sehvermögen abzudecken. Zudem wurde mit der neuen FeV und der Anlage 5 der psychometrische Leistungstest für unseren Kundenkreis zu einem neuen Betätigungsfeld. Aus Sicht der betroffenen Bus- und Taxifahrer, alle Untersuchungen aus einer Hand bei einem Facharzt für Arbeitsmedizin/Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin zu erhalten, schien dies eine gelungene Konstellation zu sein, die allem Anschein nach politisch auch so gewollt war. Schließlich gehören Personenbeförderer (Bus- und Taxifahrer) nicht zu den Großverdienern oder zu den mit viel Zeit gesegneten Menschen unserer Gesellschaft.
Wie sah der Markt zu dieser Zeit aus? Es existierte fühlbar tatsächlich nur ein einziger Anbieter eines psychometrischen Testsystems, dessen Monopolstellung die Nachfrage nach einer Alternative auslöste. Wir hatten das Glück, eine Kooperation mit dem Entwickler des Testsystems Corporal A einzugehen, dessen theoriegeleitete Testentwicklung und Validierung zu überzeugen wusste. Anders als in anderen wissenschaftlichen Bereichen, in denen sich schnell Probleme mit sogenannten Goldstandards ergeben, teilweise sogar Fortschritt verhindert wird, erschien diese Vorgehensweise im Bereich der Psychologie/Psychometrie als ausgesprochen logisch. Auch die Tatsache, dass das Testsystem bereits in einigen Begutachtungsstellen für Fahreignung zum Einsatz kam und vom Experten Herrn Prof. Dr. Egon Stephan (Universität Köln) positiv beurteilt wurde, bestärkten uns in unserer Entscheidung.

Langes Warten auf die Bewertungskriterien für Testsysteme
In 2007 erwarb die Vistec AG die Rechte am Testsystem Corporal A. Das Produkt sollte fachlich betreut und weiterentwickelt werden, die Anwender eine kompetente Anlaufstelle für die Fortbildung und alle Fachfragen erhalten. Die computerabhängige Reaktionszeitmessung, die Anlass zur Kritik aus Wissenschaftskreisen gab, sollte durch eine PC-unabhängige Methode abgelöst werden. Diese Herausforderungen wurden kompetent und bis dato einzigartig gelöst. NachAbschluss einer umfangreichen
Normwertstudie ging Ende 2013 das neue Testsystem Corporal Plus an den Start.
Mit der 10. Änderungsverordnung zur FeV vom 14.4.2014 wurde in der Anlage 5 verankert: „Die Eignung der zur Untersuchung dieser Merkmale (gemeint sind die fünf Leistungsmerkmale) eingesetzten psychologischen Testverfahren muss von einer geeigneten unabhängigen Stelle bestätigt worden sein“.
Für die Testhersteller begann das lange Warten auf die Bewertungskriterien für Testsysteme. Mit der Veröffentlichung der Kriterien im September 2017 auf der Homepage der Bundesanstalt für Straßenwesen wurde die Vistec AG aktiv, beugte sich den hier formulierten neuen Anforderungen und startete dazu umfangreiche Studien. Die ersten Ergebnisse, die im Frühjahr 2019 vorlagen, konnten die Güte der Testverfahren jedoch nicht in dem geforderten Maß belegen. Folglich wurde fieberhaft an der Entwicklung und wissenschaftlichen Absicherung von neuen Testverfahren gearbeitet, um der Verpflichtung gegenüber den Anwendern des Testsystems gerecht zu werden. Die ersten Studienergebnisse zeigen, dass wir mit diesen neuen Tests auf dem richtigen Weg sind.

Zertifizierung des neuen Testsystems unsicher
An der Stelle sei erwähnt, dass die Zertifizierung, verbunden mit erheblichen Kosten, bislang nur bei einer einzigen unabhängigen Stelle beantragt werden kann. Diese erhielt am 25.6.2018 ihre Akkreditierung. Die von dieser Stelle beauftragten Gutachter bleiben anonym und können sich, wie uns am 27.5.2019 bekannt wurde, anstelle von drei Monaten bis zu sechs Monate Zeit lassen.
Für die Zertifizierung von psychometrischen Testverfahren galt nach Fahrerlaubnis-Verordnung (§ 76 Satz 17 FeV) bislang eine Übergangfrist bis zum 25.6.2020. Das BMVI hat sich nun positiv zur Eingabe der Vistec AG geäußert und die Übergangfrist um ein Jahr, also auf den 25.06.2021, verlängert. Nach Mitteilung des BMVI wird diese Entscheidung in die nächste Änderungsverordnung der FeV eingehen. Diese soll im Dezember, spätestens jedoch Anfang 2020 verabschiedet werden.
Wir als Testhersteller tragen Verantwortung und nehmen diese auch sehr ernst. Solange die Zertifizierung für das Testsystem Corporal Plus nicht vorliegt, besteht nur noch die Möglichkeit, Testsysteme gegen eine Nutzungsgebühr bei der Vistec AG auszuleihen. Kaufverträge werden vorerst nicht abgeschlossen. Kunden, die eine Software-Pflegevereinbarung abgeschlossen haben, erhalten nach erteilter Zertifizierung die entsprechende neue Software kostenlos. Für weitere Fragen steht Ihnen die Geschäftsführung und unser Psychologinnen-Team jederzeit gerne Rede und Antwort.

Weitere Informationen: www.vistec-ag.de

3.12.2019