Typzulassung

Fachtagung Homologation am 04. und 05. November 2019 in München

Auf der Fachtagung standen sowohl Fragen der Gesamtfahrzeug-Homologation als auch der Homologation von Systemen und Komponenten auf der Agenda

Im Rahmen der Fachtagung, die als Forum für Neuerungen im Bereich Typzulassung von Kraftfahrzeugen dient, wurden sowohl Fragen der Gesamtfahrzeug-Homologation als auch der Homologation von Systemen und Komponenten in den Blickpunkt gerückt. Schwerpunkt der Fachtagung war die Behandlung regulatorischer, organisatorischer bzw. ablauftechnischer Fragestellungen im Homologationsprozess.
Cybersicherheit in der Automobilindustrie
Alexander Kraus, Senior Vice President von TÜV SÜD, eröffnete das Plenum, in dem auch Fragestellungen zu automatisiertem Fahren und Fahrzeugsicherheit vorgestellt und diskutiert wurden. So ging Marko Gustke vom Verband der Automobilindustrie (VDA) in seinem Vortrag „Aktivitäten im Rahmen der UNECE zu Automatisiertem Fahren und Cybersecurity“ auf Anforderungen und Herausforderungen ein, die die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen zurzeit bewegen. Für das Automatisierte Fahren sei es wichtig, dass die Anforderungen an die technischen Systeme und an das menschliche Verhalten parallel entwickelt werden. Für den Sicherheitsnachweis und die technischen Regelungen seien zudem neue Ansätze nötig.
Gustke stellte in seinem Vortrag ein Holistisches Automotive-Security-Konzept vor, das auf den Säulen
- Security Engineering (einheitliches methodisches Vorgehen bei der Entwicklung der Systeme),
- Technische Grundanforderungen (technische Empfehlung für die Umsetzung von Security-Maßnahmen nach dem Stand der Technik) und
- Lifecycle Management (Umgang mit Sicherheitsfragen über den gesamten Produktlebenszyklus)
ruht. Als neuer technischer Standard wird hierfür gerade die vom VDA initiierte ISO/SAE 21434 vorbereitet, deren Veröffentlichung für Ende 2020 geplant ist.

Haftungsrecht für Maschinen?
Am zweiten Tag wurde in den parallel stattfindenden Sessions
- Erfahrungen mit Abgasgesetzgebung im Pkw- und Nfz-Bereich
- Das Mehrstufen-Typgenehmigungsverfahren in Theorie und Praxis sowie
- Typgenehmigung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge und andere mobile Arbeitsmaschinen
über die derzeitigen Entwicklungen in der Branche diskutiert.
Den Abschlussvortrag hielt Dr. Susanne Wende unter dem Titel „Digitalisierung in der Automobilindustrie – Brauchen wir ein spezielles Haftungsrecht für Maschinen?“
Darin erläuterte die Rechtsanwältin, dass als Haftungssubjekt prinzipiell der Hersteller, der Software-Entwickler oder der Betreiber in Betracht kommen könne. Eine Haftung der Maschine selbst falle schwer, da Haftung rechtlich betrachtet an menschliche Handlungen anknüpft, die auf freier (menschlicher) Willensbildung basieren, weshalb es bislang keine eigene strafrechtliche Verantwortung autonomer Systeme bzw. künstlicher Intelligenz geben könne. Nach derzeitigen strafrechtlichen Zurechnungsvorschriften komme also nur eine mittelbare Täterschaft im rechtlichen Sinne infrage, bei der dann wie bisher und trotz künstlicher „Intelligenz“ Hersteller, Entwickler oder Betreiber haften müssten.

19.12.2019