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Verkehrsunfallrisiken der Bevölkerung von Niedersachsen

Traffic accident risks for the population of Lower Saxony

Inga Faller, Christian Holz-Rau und Joachim Scheiner

Der Beitrag präsentiert wohnortbezogene Unfallrisiken der Wohnbevölkerung Niedersachsens, die nach Gemeindetypen, soziodemografischen Merkmalen und Art der Verkehrsbeteiligung differenziert sind. Die Ergebnisse bestätigen höhere Risiken von Männern, jungen Erwachsenen und älteren Verkehrsteilnehmern sowie die höhere Gefährdung von Bewohnern kleiner Gemeinden. Zusätzlich treten unter der Berücksichtigung der Verkehrsmittel unterschiedliche Charakteristiken auf. Während das Risiko der Fuß- und Radverkehrsunfälle bei älteren Großstadtbewohnern höher ausfällt als im ländlichen Raum, leben insbesondere junge Menschen auf dem Land gefährlicher als ihre Altersgenossen aus der Stadt. Dabei beschränken sich die höheren Risiken der Männer und junger Erwachsener nicht nur auf den motorisierten Verkehr, sondern sind ebenfalls unter den Fuß- und Radverkehrsunfällen markant. Insgesamt sinkt mit zunehmender Größe des Wohnortes das Risiko, einen schweren Unfall zu erleiden.

The article presents place of residence-based traffic accident risks of Lower Saxony broken down by municipality types, sociodemographic characteristics, and transport mode. The results confirm higher risks for men, young adults, elderly road users, and for rural dwellers. Different characteristics occur when taking transport mode into account. The accident risks of older cyclists and pedestrians from large cities are higher than those of rural dwellers. Young urban dwellers have lower risk figures compared to their rural counterparts. The higher risks for men and young adults are not limited to motorized traffic, but are also marked among pedestrians and cyclists. Taken overall, the risk of serious or lethal injury decreases with increasing city size of residence.

 

 

Manipulation bei der Abgabe einer Urinprobe im Rahmen von Abstinenzprogrammen – Erfahrungen mit der Sichtkontrolle

Manipulation of urine samples in the course of abstinence control programms – Experiences with supervised sample collection

Simon Franz, Gisela Skopp und Frank Musshoff

Die Untersuchung von Urinproben zur Überprüfung einer Alkohol-/Drogenabstinenz ist etabliert. Bei der Probenabgabe bestehen Möglichkeiten von Manipulationen bzw. Täuschungsversuchen, die möglichst auszuschließen sind. Im untersuchten Zeitraum (Jan. 2012 bis Sept. 2019) konnten im Forensisch Toxikologischen Centrum (FTC) München jährlich bis zu 8 Manipulationsversuche gezählt werden, bei durchschnittlich ca. 7.000 Urinkontrollen im Jahr. Besonders in den Jahren 2014–2016 wurden vermehrt Täuschungsversuche aufgedeckt, was im zeitlichen Zusammenhang mit dem Aufkommen von Penisattrappen steht. Dies stellt die am häufigsten verwendete Täuschungsmethode dar. Ein Rückgang von dokumentierten Manipulationsversuchen seit dem Jahr 2017 ist zu verzeichnen. Dies ist ggf. auf die strenge Einhaltung der Richtlinien bei der Urinabgabe unter Sichtkontrolle zurückzuführen. Außerdem deutet die in den letzten Jahren ansteigende Abwesenheit von Probanden bei  Kontrollterminen darauf hin, dass bei vorher stattgefundenem Konsum ein Fernbleiben der Kontrolle einer Täuschung vorgezogen wird.

The analysis of urine samples for detection of alcohol or drugs of abuse as part of an abstinence control programme is wellestablished. Nevertheless, during collection a risk of manipulation or an attempt at deception exists which shoud be precluded. Among the average of 7,000 urine samples collected at the Forensic Toxicological Centre (FTC) per year, up to 8 attempts of manipulations could be observed yearly during the study period (January 2012 – September 2019). Most attempts at deception were discovered between 2014 and 2016, possibly due to penis dummies emerging during this time. Altogether, the use of fake penises was the most commonly observed method of manipulation. A decline of documented manipulation attempts could be observed since 2017. This may be due to strict adherence to supervised urine sample collection guidelines. Furthermore, participants showed a higher tendency of missing control appointments over the last few years, suggesting that they would skip the appointment after they had consumed drugs, rather than manipulate the sample.

Zur Bedeutung psychischer Nachsorge nach einem Verkehrsunfall und die Etablierung des Online-Netzwerkes „Hilfefinder“

The importance of mental follow-up after a traffic accident and the establishment of the network ‘Hilfefinder‘

Silke von Beesten und Christian Helmrich

Ein Unfall kann das Leben verändern. Verkehrsunfallopfer benötigen jedoch nicht nur medizinische Versorgung bei körperlichen Verletzungen, sondern auch die Psyche bedarf einer professionellen Hilfe, wenn diese durch das Unfallgeschehen verletzt worden ist. Das Erleben von Verkehrsunfällen kann verschiedene psychische Störungsbilder hervorrufen, die von einer akuten psychischen Belastung über die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung bis hin zu einer chronifizierten Traumafolgestörung reichen können. Frühzeitige psychologische Interventionen nach einem Verkehrsunfall können negative Auswirkungen verringern. Um Geschädigten im Rahmen von Verkehrsunfällen effektiv begegnen zu können, wurde mit dem eigens geschaffenen Onlineportal „Hilfefinder“ ein Netzwerk mit verfügbaren Akteuren aus dem therapeutischen und seelsorgerischen Kontext etabliert, die kurzfristig Verkehrsunfallopfern beiseite stehen können. Die Erstellung dieser Website wurde formativ evaluierend begleitet und das Online-Unterstützungsangebot „Hilfefinder“ mithilfe einer Triangulation wissenschaftlich beleuchtet, um aus unterschiedlichen Blickwinkeln Optimierungsbedarfe zu identifizieren. Dieses Netzwerk soll die Basis für eine zukünftig bundesweit tragfähige Unterstützungsleistung für Verkehrsunfallopfer darstellen.

An accident can change life. Victims do not only need medical treatment but their psyche will also require professional help, if it has been injured. The experience of traffic accidents can cause acute mental stress but can also evoke the development of post-traumatic stress disorder and trauma sequelae. Early psychological interventions will help to reduce the level of negative impact on the psyche after an accident. In order to avoid these effects a network of available actors from therapeutic and pastoral settings was established. They will be able to stand aside the victims within a short period of time, the online portal ‘Hilfefinder‘ (‘Help Finder‘). The creation of the website was accompanied by formative evaluation. ‘Hilfefinder‘ was approached from different perspectives using scientific triangulation in order to identify optimization needs. This network should be the basis for a future and nationwide sustainable support for traffic accident victims.