Regelbefolgung – Ein Modell der Einflussgrößen

A Traffic Rule Compliance Model

Bernhard Schlag, Lars Rößger, Jens Schade

Regelbefolgung und Regelübertretung werden im Straßenverkehr meist als abhängig vom Grad der Überwachung gesehen. Welche Bedeutung haben aber Überzeugungen der Verkehrsteilnehmer und die jeweilige Situation? Die Autoren fassen psychologische und verkehrswissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien in einem Wirkmodell der Regelbefolgung zusammen, das das Zusammenwirken unterschiedlicher Einflussgrößen berücksichtigt und damit eine Grundlage für nachhaltig wirksame Interventionen zur Verbesserung der Regelbefolgung bildet.

Rule compliance and rule violation in road transport are usually seen as being dependent on the degree of enforcement. However, what is the importance of people‘s beliefs and the current situation? The authors summarize psychological and traffic-scientifical theories and findings in a working model of traffic rule compliance, which takes into account the interaction of different parameters and thus forms a basis for sustainable and effective interventions to improve rule compliance.

Verkehrsunfälle – Wie die Medien unsere Risikowahrnehmung beeinflussen

Traffic accidents – How the media influence our risk perception

Annekatrin Bock, Christian Stein

Die mediale Berichterstattung über Verkehrsunfälle folgt primär journalistischen Kriterien und hat nicht die 1:1 Abbildung von Wirklichkeit zum Ziel. Da sie gleichzeitig jedoch die primäre Informationsquelle für einen Großteil der Bevölkerung darstellt, wird die Risikowahrnehmung durch die dadurch entstehenden Verzerrungen beeinflusst. Die Risikowahrnehmung wirkt wiederum u.a. auf das Risikoverhalten. In welchem Verhältnis reale Unfallereignisse und Berichterstattung tatsächlich zueinander stehen und welche Kriterien dabei eine Rolle spielen, wurde kürzlich im Rahmen einer empirischen Inhaltsanalyse von Zeitungsberichten und Statistiken aus dem Raum Braunschweig durchgeführt und die möglichen Folgen abgeschätzt.

Media coverage of traffic accidents mainly follows journalistic criteria and does not aim at portraying reality 1:1. Since at the same time media are the most important source of information for a majority of the population, risk perception is influenced by media distortions. Risk perception then has an influence itself, for example on risk behaviour. The relation of real traffic accidents and media coverage, as well as the criteria that cause such media distortions, have been examined in an empirical content analysis of newspaper coverage and statistics in the region of Braunschweig. The content analysis is accompanied by an assessment of possible consequences. 

Naturalistic Observation: Neue Methode unterwegs

Naturalistic Observation: New methodology underway

Martin Winkelbauer, Niccolò Baldanzini, Martin Baumann, Tibor Petzoldt, Christhard Gelau

Naturalistische Fahrverhaltensbeobachtung ist eine sehr junge Methode im Bereich der Verkehrssicherheitsforschung. Sie ist dadurch charakterisiert, dass Verkehrsteilnehmer in ihrem natürlichen Umfeld möglichst unauffällig beobachtet werden, damit ihr „normales“ Verhalten untersucht werden kann. Es kann ortsfest oder fahrzeuggebunden beobachtet werden, üblicherweise durch Verwendung von Videokameras. In den Fahrzeugen werden in der Regel ein bis vier Videokameras und zahlreiche Sensoren, wie etwa Beschleunigungsgeber, GPS und Abstandsmessgeräte installiert. Da Gefahrensituationen eher selten sind, werden für tragfähige Schlussfolgerungen lange Beobachtungszeiträume (0,5 bis 1 Jahr pro Versuchsperson) und eine große Anzahl von Versuchspersonen (für eine Vollstudie jedenfalls mehr als 1000) benötigt. Datenerfassung, Übertragung, Speicherung und Auswertung stellen bei diesem Umfang eine ernste Herausforderung dar. Von Naturalistic Observation werden massive Zugewinne im Wissen über Verhalten von Verkehrsteilnehmern erwartet, die längerfristig in wesentlich effizienteren Verkehrssicherheitsmaßnahmen als bisher resultieren sollen. Der Artikel berichtet über den aktuellen Stand der Forschung mit naturalistischen Methoden.

„Naturalistic Observation“ is a relatively young method within road safety research. Road users are observed within their natural environment as unobtrusively as possible in order to research their „normal“ behaviour. Observation can be done either site-based – typically using high-mounted video cameras – or vehicle-based. Typically the vehicles are equipped with one to four video cameras and a comprehensive set of sensors, e. g. acceleration sensors, GPS and time-headway detectors. Safety critical events are, within normal driving, rather rare, hence, a long period of observation per subject or vehicle (0.5 to 1 year typically) and a large number of subjects is needed (for a full study at least 1000). At this dimension data collection, transmission and storage constitute a severe challenge. Naturalistic observation is expected to largely deliver additional knowledge in terms of road user behaviour, which will, in the long run, likely be transferred into more efficient road safety measures in the future. The article reports on state of the art in application of naturalistic methods.

Verbesserung der Verkehrssicherheit in Entwicklungs- und Schwellenländern – Ein Erfahrungsbericht aus einer dreijährigen

Enhancing Road Safety in Developing and Emerging Countries – a report of 3 years Twinning Project Work in Egypt

Konrad Bauer, Jürgen Gerlach, Horst Hanke, Martin Mönnighoff, Hans-Joachim Vollpracht

„Enhancing Road Safety in Egypt“ war der Titel eines sehr ambitionierten Twinning Projektes der EU, das, beginnend im Jahr 2009 bis mitten hinein ins Umschwungjahr 2011, in Ägypten bearbeitet wurde. Öffentliche Einrichtungen helfen bei Twinning Projekten EU-finanziert den Verwaltungen in Beitritts- und Anrainerstaaten. Ägypten nimmt eine Schlüsselstellung für den nordafrikanischen Raum und den Nahen Osten ein; viele Staaten wie die USA, Japan, China, einzelne europäische Staaten und die EU engagieren sich deshalb in großem Umfang in diesem Land. Bei diesem Projekt waren Partner das deutsche und österreichische Verkehrsministerium BMVBS und BMVIT sowie das ägyptische Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, unterstützt durch die General Authority for Roads, Bridges and Land Transport (GARBLT). In einzelnen Missionen erfüllten dabei über 40 Experten aus Deutschland und Österreich die Projektaufgaben insbesondere zur Stärkung des Nationalen Verkehrssicherheitsrates, der Verbesserung der Verkehrs- und Straßengesetze, der verwaltungsseitigen Organisationsstruktur von GARBLT, der Unfallaufnahme, des Vorgehens zur Ahndung von Verkehrsverstößen, der Planung von Straßen, der Straßenunterhaltung sowie der Inspektion bestehender und der Auditierung geplanter Straßen. Der Beitrag behandelt die vielfältigen Projektinhalte und die gewonnenen Erfahrungen und kann so für künftige Projekte ähnlicher Art Hinweise geben.

„Enhancing Road Safety in Egypt“ was the title of a very ambitious EU Twinning Project in Egypt starting in 2009 and ending in the year of change 2011. “Twinning Project” stands for the help by a public administration of EU Member states to the administration of littoral states or new member states to enable them to reach the EU standard. Egypt keeps a key position for the Northern African Area and for the Near East countries; many states like the USA, Japan, China, certain European countries and the EU therefore are very involved in many ways in this country. Partners of this project were the German and the Austrian Ministries of Traffic BMVBS and BMVIT and on the other side the Egyptian Ministry of International Cooperation working together with General Authority for Roads, Bridges and Land Transport (GARBLT) and the Egyptian traffic police. Within several components more than 40 experts of Germany and Austria did their project work especially in strengthening the National Road Safety Board, in improving the traffic law, the public roads law, the organization of a Road Safety Department in GARBLT, the road accident database, the proceedings for police sanctions, the planning of safer roads, the better maintenance of roads, the road safety inspections and road safety audits. This article deals with the manifold project tasks and the gained experiences by the authors. Thus it might give hints for similar projects.