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Technologische Maßnahmen zur Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen

Technology to Master Data Privacy Challenges of Cooperative Advanced Driver Assistance Systems

Dr. H. Jäger, Dr.-Ing. L. Schnieder

Auf die Vermeidung von Unfällen ausgerichtete Fahrerassistenzsysteme haben einen hohen Stellenwert bei der
Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit. Die digitale Kommunikation von Fahrzeugen untereinander oder
zwischen Fahrzeug und Infrastruktur ermöglicht zukünftig ein „kooperatives“ Fahrverhalten aller Verkehrsteilnehmer.
Viele Konfliktsituationen im Verkehrsablauf werden vorab erkannt, geeignete Warnungen an den Fahrer
übermittelt und gegebenenfalls mittels automatischer Eingriffe in die Fahrzeugführung entschärft. Allerdings
müssen vor einer Einführung solcher Fahrerassistenzsysteme datenschutzrechtliche Fragestellungen geklärt sein.
Voraussetzung, dass Fahrer neue Assistenzsysteme akzeptieren, ist der integre Umgang mit personenbezogenen
und personenbeziehbaren Daten. Dieser Beitrag stellt ein integriertes Gesamtkonzept vor, wie in verkehrlichen
Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen Rahmenvorschriften technisch erzwungen werden können,
die berechtigen bzw. verbieten, auf personenbezogene und personenbeziehbare Daten zuzugreifen.

Advanced driver assistance systems (ADAS), created to prevent accidents, are important constituents in the improvement
of road traffic safety. Digital vehicle-to-vehicle or vehicle-to-infrastructure communication allows all
motorists to ”cooperate“ automatically: I. e., critical situations will be detected in advance, the driver is alerted
accordingly and, if necessary, command of the vehicle interfered with automatically. However, the introduction
of such driver assistance systems postulates that data privacy issues have already been solved in advance. A
condition precedent for the driver to be able to accept and trust new driver assistance systems long-term is for
his/her personal and personally identifiable data to be treated with integrity. This article presents an integrated
overall solution as to how covering law that grants or prohibits access to personal and personally identifiable data
can be enforced technically in vehicle traffic information and communication technology.

Zum Stellenwert des Theorieunterrichts in der Fahrausbildung

About the Importance of Theory Classes during Driving Training

Prof. Dr. phil. M. Fell M. A., Dr. phil. W. Weißmann

Der theoretische Fahrschulunterricht steht seit geraumer Zeit in seiner gegenwärtigen Form in der Diskussion, in
die auch ansatzweise Überlegungen eingebracht werden, nach denen theoretische Inhalte auch allein über ELearning,
also ohne professionell Lehrende erarbeitet werden könnten. Die Autoren dieses Beitrags möchten – sollte sich
eine Ausfaltung des Theorieunterrichts in diese Richtung ergeben – eindringlich vor einer Entwicklung hin zu einer
Entpädagogisierung der Fahrausbildung warnen, stünde diese doch einer fundierten, am ganzen Menschen orientierten
Ausbildung von Fahrerlaubnisbewerbern entgegen. Denn ein gemeinsamer Theorieunterricht in der Fahrausbildung
ermöglicht die Reflexion des personal-sozialen Handelns im Straßenverkehr – räumlich getrennt vom Lernraum Auto – und
nicht dem direkten Handlungsdruck in einer realen Bewährungssituation während des praktischen Fahrunterrichts
ausgesetzt. Die Fahrausbildung muss in gesellschaftspolitischen Zusammenhängen betrachtet werden, wenn sie dem
ursprünglich emanzipatorischen Charakter von Bildung gerecht werden soll. Die Fahrlehrerschaft wird gemeinsam mit
Vertretern der Politik eine generelle Diskussion über Bildungs- und Lernziele der Fahrausbildung anzustellen haben. Ganz
oben auf der Agenda müssen dabei Überlegungen zu einer neuen Lernkultur in der Fahrausbildung stehen, wie z. B. die
Verschneidung zweier Lernformate, dem sogenannten Blended Learning, das eine in der Realität der Fahrausbildung zu
häufig auftretende Trennung von Theorie und Praxis überwinden soll.

The current form of theoretical driving training lessons is put up for negotiation for some time now. Some considerations
include the possibility to acquire theoretical contents only by e-learning, thus, without professional teachers. The authors
of this article would like to – if a development of theoretical training towards this direction should emerge – urgently warn
of a development towards “depedagogization” of driving training, if this would be contrary to a profound, human-oriented
training of driving-licence applicants. Joint theory classes during driving training facilitate the reflection of personal and social
acting in road traffic – spatially separated from the learning space inside the car – and not being exposed to the direct need
for action in a real situation during practical driving training. Driving training has to be considered within sociopolitical contexts,
if it should do justice to the originally emancipatory character of education. The driving teaching staff, together with political
representatives, will have to initiate a discussion about educational targets and learning targets of driving training.
On top of the agenda, there have to be considerations on a new learning culture in driving training, as for instance
the intelligent compound of two learning formats, the so-called “Blended Learning” which should overcome the
separation of theory and practice, a common occurrence in driving training.

Entwicklung der Straßenverkehrssicherheit bis ins Jahr 2020 – Eine Prognose mittels Grey Systems Theory

Road Traffic Safety Trends until 2020 – A prognosis by Grey Systems Theory

Dipl.-Wirtsch.-Ing. R. S. Hosse, Dr.-Ing. U. Becker

Nicht nur global, sondern auch national, stellt die Straßenverkehrssicherheit immer noch ein nicht endgültig
gelöstes Problem dar. Zwar sind die Zahlen der Verkehrstoten erfreulich niedrig, dennoch stirbt ca. ein Mensch
alle zwei Stunden im deutschen Straßenverkehr. Neben der Automobilindustrie betreiben zahlreiche am Verkehr
beteiligte Akteure Maßnahmen, welche langfristig zur Vision Zero führen sollen. Nicht jede getroffene Maßnahme
erzielt den gewünschten Effekt. Dieser Beitrag befasst sich mit der Verkehrssicherheitsprognose in Abhängigkeit
von der technologischen Entwicklung der Verkehrsmittel. Dazu wird ein Verfahren der Zeitreihenanalyse, hier
die Grey Systems Theory, angewendet. Dieses Verfahren stellt eine Korrelation und Prognose zwischen der Entwicklung
des Sicherheitsgewinns ausgewählter Fahrerassistenzsysteme und den Zeitreihen der Leicht-, Schwerverletzten
und Getöteten aller Verkehrsteilnehmer her. Die Ergebnisse zeigen eine weiterhin erfreuliche Entwicklung
hinsichtlich des Rückgangs der Getöteten im Straßenverkehr, jedoch wird aufgezeigt, dass die Unfallzahlen
insgesamt zunehmen werden. Dies impliziert, dass die technologische Entwicklung zwar die Getöteten reduzieren
kann, aber das Gesamtunfallaufkommen nicht verbessert.

Not only globally but also nationally road traffic safety is not a definitively solved problem. Although numbers of
fatalities are low, about one person dies every two hours in German road traffic. The automotive industry as well
as numerous actors involved in road transportation are undertaking different measures which should lead to
Vision Zero in the long-term. Not every safety measure taken, technologically or socially, achieves the desired
safety effect. This paper deals with the traffic safety prognosis depending on the technological development of
vehicles. For this purpose, a method of time series analysis, here Grey Systems Theory, has been applied. This
method produces a correlation and prognosis between the technological development in road transport and the
time series of lightweight injured, seriously injured and killed people. The results show a continuing positive development
in terms of the reduction in road fatalities; however, it is shown that the total number of accidents
will increase overall. This implicates that the technological development achieves to reduce fatalities, but cannot
reduce accident occurrence overall.

Unfallbasiertes Sicherheitsmanagement für die bestehende Straßeninfrastruktur – Hintergründe und Umsetzung in der Schweiz

Accident-based safety management for existing road infrastructure – Background and application in Switzerland

Dipl.-Ing. (FH) G. Schuwerk (CH), Dr.-Ing. H. Schüller

Ausgehend vom Handlungsprogramm des Bundes für mehr Sicherheit im Straßenverkehr in der Schweiz wurden
in den letzten Jahren u. a. durch das Bundesamt für Strassen (ASTRA) zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung
der Infrastruktursicherheit im Hochleistungs- und nachgeordneten Straßennetz ergriffen. Zur Unterstützung des
Vollzugs wurden allen Straßeneigentümern Infrastruktur-Sicherheitsinstrumente in Form von Arbeitsdokumenten
und als Werkzeuge bereitgestellt, durch deren Anwendung ein wichtiger Teil der Sicherheitsarbeit standardisiert
geleistet werden kann. Unter diesen Rahmenbedingungen wurden und werden u. a. die unfallbasierten Verfahren
des Unfallschwerpunkt-Managements, der Netzeinstufung und das Einzelunfallstellen-Management weiterentwickelt
und teilweise durch Praxiserfahrungen aus Pilotanwendungen angepasst. Grundsätzliche Überlegungen
sowie die Umsetzung werden im nachfolgenden Bericht thematisiert.

Starting from the framework of the federal action programme for safer roads (Via sicura) the Federal Roads Office
(FEDRO) has provided several measures for improving the safety situation of the whole road network. In support of
the implementation road authorities have been provided with road safety management procedures in the form of
working documents and partly as tools. A crucial part of the safety practice can be executed in a formal and standardized
way with the usage of these procedures. Under these conditions, the accident-based procedures like black
spot and network safety management as well as single accident management will be developed and improved by
experiences from pilot applications. This article discusses general considerations as well as the implementation.

 

 

Grundlegende Zusammenhänge von Automatisierung und Fahrerleistung

Basic relationships of automation and driver performance

Univ.-Prof. Dr. phil. K. Bengler

Die zunehmende Möglichkeit, die Fahrzeugführung zu automatisieren, wirft die Frage auf, welche Rolle der Fahrer
in diesem Mensch-Maschine-System spielen wird. Die Fähigkeiten des Menschen als aktivem Fahrzeugführer,
Konflikte und kritische Situationen zu entschärfen, stellen nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit
dar. Andererseits stellt die Übernahme der Fahraufgabe aus einer passiv überwachenden Rolle völlig neue
Herausforderungen für Gestaltung und Absicherung der Mensch-Maschine-Interaktion dar. Erste Versuche zeigen
relevante ergonomische Gestaltungsanforderungen auf. Allerdings sind bei Weitem noch nicht alle Fragen ausreichend
beantwortet, um die Bandbreite von Nutzereigenschaften und Nutzungsfällen abzudecken.

The increasing ability to automate driving begs the question, which role the driver will play in this human-machine
system. The skills of active drivers to deescalate conflicts and criticle situations remains an important
contribution to road safety. On the other hand, taking back the driving task from a passive monitoring role represents
completely new challenges for design and validation of human-machine interaction. First tests show relevant
ergonomic design requirements. However, by far not all questions are adequately answered, to cover the
broad range of user characteristics and usecases.