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Die Reform der Fahrlehrerausbildung – ein Konzept für eine kompetenzorientierte und modularisierte Ausbildung von Fahrlehrern in Deutschland

Reform of Driving Instructor Training – Concept of a Competence-oriented and Modularized Driving Instructor Training in Germany

Dr. R. Brünken, Saarbrücken;
Dr. phil. Dr. h. c. D. Leutner, Essen;
Dr. habil. D. Sturzbecher, Dipl.-Psych. B. Bredow, B.A. S. Ewald, Oberkrämer

Im Koalitionsvertrag „Deutschlands Zukunft gestalten“ der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD für die 18. Legislaturperiode wurde vereinbart, im Rahmen einer Reform des Fahrlehrerrechts auch die Qualität der Fahrlehrerausbildung zu verbessern. Zur Erarbeitung der dazu benötigten inhaltlichen Voraussetzungen wurde von Brünken, Leutner et al. (2015) im Auftrag der BASt ein Gutachten erstellt. Dabei wurde − unter Berücksichtigung des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstands und der vorliegenden Vorschläge zur Weiterentwicklung der Fahrlehrerausbildung in Deutschland − ein kompetenzorientiertes Konzept für eine modularisierte Fahrlehrerausbildung erarbeitet. Darüber hinaus wurden die für Fahrlehrer erforderlichen fachlichen, pädagogisch-psychologischen und verkehrspädagogischen Kompetenzen definiert, mit curricularen Ausbildungsinhalten hinterlegt sowie auf wissenschaftlicher und berufspraktischer Ebene begründet. Schließlich wurden Vorschläge zur Anpassung der Zugangsvoraussetzungen zum Fahrlehrerberuf erarbeitet. Im vorliegenden Beitrag werden die zentralen Empfehlungen des Gutachtens zusammenfassend beschrieben.

At the beginning of their legislative period, the German governing parties CDU, CSU and SPD contracted a coalition
agreement called “Creating Germany’s future”. Among others, this agreement aimed to reform the law of
driving instruction and to improve the quality of driving instructor training. Regarding the latter, Brünken, Leutner
et al. (2015) provided − on behalf of the German Federal Highway Research Institute (BASt) – an expert report.
In this report, they suggest a competence-oriented concept of a modularized driving instructor training, which is
based on the current state of research and which takes into account suggestions of various groups of stakeholders.
Furthermore, they defined professional as well as pedagogical and psychological competences of driving instructors,
including the definition of related contents of learning. Finally, they developed proposals for adapting the
requirements for entering a driving instructor training programme. In the present article the essential recommendations
of the report are summarized.

Die optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung als systematische Fahrverhaltensbeobachtung – Ergebnisse der instrumentellen Evaluation und der Felderprobung

The Optimized Driving Test as a Systematic Observation of Driving Behaviour – Results of Instrumental Evaluation and Field Testing

Dr. habil. D. Sturzbecher, Dipl.-Sowi. P. Luniak, Oberkrämer;
S. Mörl, Kremmen

Die Praktische Fahrerlaubnisprüfung stellt eine systematische Fahrverhaltensbeobachtung dar und muss den methodischen Gütekriterien für Beobachtungsverfahren genügen. Daher wurde in einem Revisionsprojekt das von 2005 bis 2013 entwickelte Konzept für die optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung (OPFEP) und ein darauf bezogenes Evaluationssystem erprobt. Im ersten Schritt richtete sich die Erprobung mit unterschiedlichen Teiluntersuchungen auf den Nachweis der Verfahrensgüte der OPFEP (v. a. Beobachterübereinstimmung und Validität). Dabei zeigte sich eine gute Beobachterübereinstimmung, die im Projektverlauf über drei Messzeitpunkte hinweg anstieg. Weiterhin belegen die Befunde die Validität der OPFEP. Im zweiten Schritt standen Untersuchungen zur Durchführungsqualität der OPFEP unter den Bedingungen der Prüfungspraxis in den Technischen Prüfstellen im Fokus einer Felderprobung an vier Modellstandorten. Die Befunde bestätigen die Praktikabilität der optimierten Durchführungs-, Anforderungs-, Bewertungs-, Dokumentations- und Evaluationsstandards. Mit den neuen schriftlichen Rückmeldungen zu den Prüfungsleistungen waren 82 Prozent der befragten Bewerber zufrieden. Im Ergebnis des Revisionsprojekts wird die bundesweite Implementierung der OPFEP eindeutig empfohlen.

The driving test constitutes a systematic observation of driving behaviour and therefore has to meet the methodological
quality criteria for observation methods. Thus in a revision project, the concept for an optimized driving
test (ODT) and a related evaluation system (developed from 2005 to 2013) were tested. In the first step, a set of
studies focused on the assessment of process quality (especially interobserver reliability and validity). There was
a satisfactory interobserver reliability, which increased across the three times of measurement. Furthermore, all
findings indicated the validity of the ODT. In a second step, the field-testing focused on everyday implementation
quality of the ODT in four experimental regions. The findings demonstrate the feasibility of implementing, requirement,
assessment, documentation and evaluation standards. 82 per cent of the respondents were satisfied
with the new written feedback on test performance. As a result of the revision project, the nationwide implementation
of the ODT is definitely recommended.
Dokumentation:

Vorhersage von sicherheitsrelevantem Fahrverhalten bei Berufskraftfahrern: eine theoriegeleitete Validierung von Leistungs- und Persönlichkeitstests

Predicting safe driving behaviour in professional drivers: a theory based validation of cognitive and personality tests

Mag. M. Vetter, Mag. L. Schünemann, Mag. Dr. R. Debelak, Mödling (A);
Mag. Dr. M. Gatscha, Steinbrunn (A);
Mag. M. Herle, M., Mag. G. Mandler, Mödling (A);
Mag. Dr. T. M. Ortner, Salzburg (A)

Jährlich verunglücken ca. 50.000 Personen allein durch Lkw- und Busunfälle auf Deutschlands Straßen. Obwohl
der menschliche Faktor in der Mehrheit der Fälle eine maßgebliche Rolle spielt, gibt es derzeit nur wenige empirische
Analysen, wie gut sicherheitsrelevantes Fahrverhalten bei Berufskraftfahrern mittels Testverfahren vorhergesagt
werden kann. Die vorliegende Studie überprüft theoriegeleitet auf Basis der GDE-Matrix die Kriteriumsvalidität
von Leistungs- und Persönlichkeitstests. 126 Busfahrer absolvierten zuerst eine umfangreiche Testung
und anschließend drei verschiedene Fahrübungen: eine standardisierte Fahrprobe, einen Gefahren- und einen
Rangierparcours. Die Ergebnisse der Studie zeigen zufriedenstellende kriteriumsbezogene Validitäten und dass
jeweils unterschiedliche Testverfahren für die Vorhersage sicherheitsrelevanten Fahrens in den einzelnen Übungen
relevant sind. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Empfehlung ableiten, für die Eignungsbeurteilung von Berufskraftfahrern
eine möglichst umfangreiche, die relevanten Faktoren berücksichtigende Testung durchzuführen.

Every year about 50,000 people die on German roads only as a result of truck and bus accidents. Although the
human factor plays a substantial role in the majority of cases, there are currently very few empirical analyses
indicating how accurately test procedures make it possible to predict the safe driving capabilities of professional
drivers. The present study is a theory-driven examination of the criterion-related validity of performance and
personality tests on the basis of the GDE-matrix. 126 bus drivers first completed an extensive test before carrying
out three different driving exercises: a standardized driving test, an obstacle course and a manoeuvring course.
The results of the study revealed satisfactory criterion-related validities, and the various different test procedures
were relevant in predicting safe driving capabilities in the individual exercises. Against this background it is recommended
that the most comprehensive possible tests taking the relevant factors into account should be carried
out in assessing the suitability of professional drivers.
Dokumentation:

 

 

Neue Ansätze in der verkehrspsychologischen Verkehrssicherheitsarbeit im Kindesalter

New traffic psychologically-based methods in traffic safety work for children

Mag. B. Schützhofer, Mag. J. Rauch, Mag. G. Knessl, Wien (A);
M. Sc. Psych. A. Uhr, Bern (CH)

Es wird eine Bestandsaufnahme der verkehrspsychologischen und entwicklungspsychologischen Literatur in Bezug
auf Kindergarten- und Volksschulkinder im Straßenverkehr durchgeführt, und die gesammelten Studien werden
kritisch reflektiert. Während ältere Studien häufig noch dezidiert mit Verkehrsbezug durchgeführt wurden, muss
bei jüngeren Studien oft auf entwicklungspsychologische Studien zurückgegriffen und die Relevanz für das Verkehrsverhalten
indirekt erschlossen werden. Neben diesen und anderen methodischen Herausforderungen und Problemen werden
mögliche Lösungsansätze sowie noch offener Forschungsbedarf diskutiert. Aufbauend auf den vorhandenen
Grundlagenkenntnissen wird des Weiteren ein interdisziplinäres Modell für Verkehrssicherheitsarbeit vorgestellt,
welches das pädagogische Dreieck um drei weitere Komponenten erweitert und das Thema Kindersicherheit
aus verkehrspsychologischer Sicht disziplinen- und ebenenübergreifend behandelt.

This paper is based on a review of studies in the fields of traffic psychology and developmental psychology concerning
children aged 3 to 10. In a further step a critical analysis was done. While older studies had a practical
relevance for traffic safety, in newer studies the correlation to traffic safety has to be derived and is often not
conclusively proven through investigating the criterion validity. This is one of the methodological problems that
need to be discussed and for which solutions are proposed. With regard to the development of some competences
there is still a need for further research. Based on present knowledge an interdisciplinary model for traffic
safety work was designed. The hexagon of traffic safety work complements the well-known pedagogical triangle
consisting of child, parents and pedagogue with three additional aspects (driving school, infrastructure and
road user). It focuses on all six components of traffic safety from a traffic psychologist´s point of view.

Formative Evaluation der verkehrspädagogischen Teilmaßnahme des Fahreignungsseminars – erste Ergebnisse

Formative assessment of the traffic pedagogical submeasure of the “Fitness to Drive course” – first results

Dipl.-Psych. J. Voigt, Dipl.-Psych. M. Büttner, Kremmen

Seit Inkrafttreten der sogenannten „Punktereform“ am 1. Mai 2014 können verkehrsauffällige Kraftfahrer auf freiwilliger
Basis ein Fahreignungsseminar absolvieren. Der Seminarbesuch soll die Fahrer dabei unterstützen, ihre verkehrssicherheitsrelevanten Defizite zu erkennen und abzubauen. Dazu wurden bei der Konzeption des Fahreignungsseminars verkehrspädagogische und verkehrspsychologische Interventionsstrategien in zwei korrespondierenden Teilmaßnahmen synergetisch miteinander verknüpft. Derzeit werden die verkehrspädagogischen Teilmaßnahmen, die unter der Trägerschaft der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e. V. durchgeführt werden, formativ evaluiert. Der Schwerpunkt liegt hierbei insbesondere auf der Bewertung der Akzeptanz und Lernwirksamkeit der Teilmaßnahme. Im vorliegenden Beitrag werden die ersten valuationsergebnisse zusammenfassend beschrieben und
erste Empfehlungen zur Optimierung der Teilmaßnahme gegeben.

Since the first of May 2014 with the coming into force of the so-called “Punktereform” traffic offenders can
voluntarily attend a “Fitness to Drive course”. Attending the course should support the drivers in recognizing and
reducing their deficits regarding road safety. Therefore, in developing the concept of the course, traffic pedagogical
and traffic psychological intervention strategies were combined synergistically into two corresponding
submeasures. At present, the traffic pedagogical submeasures that are carried out under the sponsorship of the
Confederation of Driving Instructor Associations are being formatively evaluated. The emphasis is mainly on assessing
the acceptance and the learning effectiveness of the submeasure. In this article both first evaluation
results as well as first recommendations to optimize the submeasure are being presented.

 

 

Die Rolle der Sachverständigen der Technischen Prüfstellen für den Kraftfahrzeugverkehr im Wandel des 21. Jahrhunderts

The role of experts of the technical examination centers for motor traffic within the changes of the 21st century

Dipl.-Ing. M. Rüdel, Dresden

Die Technischen Prüfstellen und ihre amtlich anerkannten Sachverständigen blicken entsprechend ihrem Leitbild
als staatlich beliehene Mittler zwischen Mensch, Technik und Umwelt auf eine lange Tradition bei der Durchführung
und Weiterentwicklung der Fahrerlaubnisprüfung zurück. In den letzten zehn Jahren wurden dabei beachtliche
Fortschritte erzielt: Der Einführung der computergestützten Theoretischen Fahrerlaubnisprüfung folgte die
wissenschaftsgestützte Optimierung der Praktischen Fahrerlaubnisprüfung als systematischer Fahrverhaltensbeobachtung
mit einem verbesserten elektronischen Dokumentationsinstrument und einer ausführlichen Leistungsrückmeldung
an die Fahrerlaubnisbewerber. Die wichtigsten künftigen Herausforderungen bestehen zum einen
in der Erarbeitung eines Verkehrswahrnehmungstests und zum anderen in der Berücksichtigung des dynamischen
kraftfahrzeugtechnischen Wandels bei der Weiterentwicklung der Praktischen Fahrerlaubnisprüfung.

The technical examination centers and their officially recognized experts have a long history in driving-license
testing and its further development. This history was guided by their role as state entrusted intermediary between
man, technology and the environment. The last decade was a special period of considerable progress: the introduction
of the computer-based theoretical driving test was followed by the science-based optimization of the
practical driving test as a systematic driving behaviour observation with an improved electronic documentation
tool and a detailed performance feedback to the driving-licence candidates. The main future challenges are the
development of a traffic perception test on the one hand and the adaption of the practical driving-licence test
to the increasingly dynamic changes of motor vehicle technology on the other hand.

Der Herzschlag von Senioren während der Autofahrt – Möglichkeiten und Grenzen einfacher Pulsuhren

Heart rate of elderly drivers – possibilities and limitations of smart watches

Prof. Dr. rer. nat. T. Trautmann, M. Sc. M. Degenkolbe, Dresden

Aufzeichnungsgeräte für physiologische Parameter werden immer kleiner, preiswerter und zuverlässiger. Damit
wird es künftig möglich sein, die Leistungsfähigkeit von Personen sowohl während der Fahrt als auch darüber
hinaus zu ermitteln. Die vorgestellte Machbarkeitsstudie befasst sich mit der Nutzbarkeit von aktuell verfügbaren
Geräten gerade bei der Nutzung durch Senioren. Neben der eigentlichen Bestimmung der relevanten Parameter
wurden auch Aspekte der Ausgestaltung des Bedienkonzeptes beleuchtet. Anhand der Ergebnisse zeigt sich das
durchaus bestehende Potenzial solcher Technik, das aber selbst bei technisch interessierten Anwendern nicht
dauerhaft genutzt wurde.

Recording equipment for physiological parameters are becoming smaller, cheaper and more reliable. Therefore, it
might be possible to determine the performance of people prior, during and after a trip. The proposed feasibility
study deals with the usability of the used equipment currently in use by seniors. In addition to the actual determination
of the relevant parameters, aspects of the design of the operating concept were discussed. Based on
the results, the potential of such a technology can be outlined.